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TV-Magazin Österreich 2009 | Sendereihe: €co Spezial

Kurt Langbein, dessen Buch „Verschlusssache Medizin“ im Frühjahr für Aufregung sorgte, hat für €co zusammengetragen, wie notwendig ein Sanierungspaket für den staatlichen Gesundheitssektor ist – und wie viel umfassender die Reformen im Medizinbetrieb in Zukunft sein müssen. Am Beispiel der laparoskopischen Knie-Operation zeigt Langbein, dass manche Kostensteigerungen leicht vermeidbar wären: 2002 hat eine große Studie bewiesen, dass dieser Eingriff bei Kniegelenks-Arthrose unwirksam ist.

 

Doch das hat sich bei den Chirurgen nicht herumgesprochen: Im Vorjahr wurde der Eingriff 45.000 durchgeführt, mehr als doppelt zu häufig wie zehn Jahre davor. „Solange die Menge in den Bezahlungssystemen honoriert wird, und nicht die Qualität, sind solche Fehlentwicklungen vorprogrammiert“, analysiert Patientenanwalt Bachinger.

 

Bei den Arzneimitteln galoppieren die Preise am raschesten davon – für sie wird schon mehr ausgegeben als für alle niedergelassenen Ärzte zusammen. Oft sind die Verordnungen gar nicht nötig oder sogar schädlich: Magenschutzmittel etwa, die im Vorjahr sagenhaft 8,5 Millionen mal für 155 Millionen Euro verordnet wurden, erweisen sich immer öfter selbst als Krankheitsursache. Hier kündigt Haupverbandschef Hans Jörg Schelling mit der Einführung der „e-medikation“ Verbesserungen an.

 

Wie teuer die immer noch so häufigen Behandlungsfehler in den Krankenhäusern sind, wird erstmals durch interne Berechnungen der Abrechnungsdaten sichtbar. 50.000 Fälle jährlich werden in Österreich unter dem Titel „Komplikation nach Operation“ oder „Vergiftung durch Arzneimittel“ abgerechnet, die Kosten dafür: 420 Millionen Euro.

 

Einige Details aus dem Paket, die bislang gar nicht öffentlich wurden, stimmen dagegen optimistisch: Die Fortbildung für die Mediziner soll verbindlich werden und für die großen Volkskrankheiten soll es „Disease Management Programme“ geben, welche die Behandlung deutlich optimieren.

Format: 30min, HD | Regie: Kurt Langbein, Florian Kröppel | Kamera: Peter Aigner | Ton: Mario Hötschl | Schnitt: Roland Voigt | Produktion: Kurt Langbein | Langbein & Partner | Redaktion ORF: Hans Tesch | Im Auftrag des ORF

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