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TV-Dokumentation | 1999

Horst Friedrich Mayer-Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis oder Nesselsucht. Fast jeder kennt jemand, der an einer dieser allergie-bedingten Krankheiten leidet. Dabei ist es noch nicht einmal hundert Jahre her, seit das Phänomen Allergie überhaupt einen Namen hat. Es war der Wiener Kinderarzt Clemens von Pirquet der 1906 den Begriff nach den griechischen Wörtern – allos für anders – und – ergon für Wirkung – prägte.

 

Diese „andere Wirkung“ macht uns seither ordentlich zu schaffen. Inzwischen gilt in den Industriestaaten ein Drittel der Bevölkerung als gefährdet. Jeder 5. Österreicher leidet bereits unter einer Allergie. Doppelt so viele wie noch zu Beginn der 80er Jahre.

 

Damit rückte auch die Allergieforschung von einem exotischen Randgebiet ins Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Nahezu 20.000 Stoffe sind mittlerweile als allergieauslösend identifiziert. Noch vor wenigen Jahren gingen Forscher davon aus, dass die zunehmende Umweltverschmutzung schuld an der spektakulären Zunahme an Asthma-, Heuschnupfen- oder Neurodermitis-Fällen sei.

 

Heute glauben die meisten, dass gerade der ultrahygienische Lebensstil der westlichen Industriestaaten die Entstehung von Allergien fördere. Ihre provokante These: Übertriebene Hygiene und der allzu schnelle Einsatz von Medikamenten bei jeder kleinen Infektionskrankheit führt dazu, dass dem Immunsystem die natürlichen Feinde abhanden kommen. In der Folge stürzt sich die unreife und unterbeschäftigte körpereigene Abwehr auf völlig harmlose Eindringlinge und sorgt mit dieser Überreaktion für dramatische Symptome.

 

Österreichische Wissenschaftler sind an dieser Revolution führend beteiligt. So fand etwa Josef Riedler, Allergie- und Lungenspezialist an der Salzburger Kinderklinik heraus, dass Bauernkinder deutlich seltener unter Allergien leiden. „Entscheidend ist wahrscheinlich der intensive Kontakt mit Tieren,“ mutmaßt Riedler. „Bestimmte Bakterien und Keime wirken als eine Art Trainingscamp für das Immunsystem. Damit werden spätere Fehlreaktionen vermieden.“

Format: 52 min | Regie: Bert Ehgartner, Christian Skalnik | Kamera: Jan Kerhart, Ralf Rabenstein | Ton: Michael Hensel, Stefan Paul, Axel Thiede | Schnitt: Sonja Lesowsky | Produktion: Kurt Langbein, Christian Skalnik | Langbein & Partner | im Auftrag des ORF

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1999 | Fertiggestellt | TVDokumentation